Ukraine-Krieg, Klimawandel und Covid-19 verstärken Not / Alle zehn vergessenen Krisen ereignen sich am afrikanischen Kontinent
Wien, 12. Jänner 2023. In Angola herrscht die schlimmste Dürre seit vierzig Jahren. Fast vier Millionen Menschen haben zu wenig zu essen. Im letzten Jahr berichteten gerade einmal 1.847 Online-Artikel darüber. Die Not in Angola liegt deshalb auf Platz eins der zehn vergessenen humanitären Krisen, die die Hilfsorganisation CARE heute in ihrem Report „Breaking the Silence“ vorgestellt hat. Darin zeigt CARE jene Krisen und Katastrophen, über die global wenig berichtet wird.
„Es sind harte Zeiten für Europa und noch härtere für Menschen, die weltweit von humanitären Krisen betroffen sind. Mit dem Krieg in der Ukraine, der Energiekrise und dem Klimawandel mangelt es nicht an Themen für die globale Krisenberichterstattung. Wir sehen es jedoch als unseren Auftrag, auch die stillen Krisen zu zeigen und über jene Menschen zu berichten, die wenig Aufmerksamkeit erhalten. Denn wir können und wollen nicht schweigen, wenn Leben in Gefahr sind“, so Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich.
Hungerkrise in Afrika im Schatten des Ukraine-Kriegs
Alle zehn Krisen, über die weltweit am wenigsten berichtet wird, passieren am afrikanischen Kontinent. So folgt nach Angola auf dem zweiten Platz der Liste der vergessenen Krisen Malawi. Das südostafrikanische Land leidet aufgrund von Wetterextremen, wie Dürre oder Wirbelstürmen, an Nahrungsmittelknappheit. An dritter Stelle steht die Zentralafrikanische Republik. Naturkatastrophen und gewaltsame Konflikte führen dazu, dass über drei Millionen Menschen im Land humanitäre Hilfe benötigen.
„Die Vereinten Nationen haben kürzlich vor einer historischen Hungerkrise in Afrika gewarnt. Das Ausmaß davon erleben wir tagtäglich bei unserer Arbeit. Eltern lassen Mahlzeiten aus, damit ihre Kinder nicht hungern. Felder trocknen aus, Vieh stirbt. Familien flüchten, weil sie keine Nahrung und kein Wasser finden. Gleichzeitig sind sie aufgrund der anhaltenden Krisen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Angesichts dieser dramatischen Lage ist es umso besorgniserregender, dass über die Not der Menschen kaum berichtet wird. Wenn wir weiterhin wegsehen, hat das katastrophale Konsequenzen”, warnt Claudine Awute, Vize-Präsidentin für Internationale Programme bei CARE.
Veränderung geschieht durch Aufmerksamkeit
Um vergessenen Krisen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, sind Medien, Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und NGOs gleichermaßen gefragt. Humanitäre Berichterstattung profitiert vom Austausch mit lokalen Fachleuten und davon, Betroffene selbst zu Wort kommen zu lassen. Dabei können NGOs unterstützen. Auch auf Geberseite ist es wichtig, den Menschen in den Krisenregionen zuzuhören, damit sie die Hilfe erhalten, die sie benötigen.
„Veränderung geschieht durch Aufmerksamkeit. Und schlussendlich benötigen die Menschen in Angola, Malawi und vielen anderen Krisenregionen nicht nur mehr Beachtung, sondern lebensrettende Hilfe und eine Zukunft mit Perspektiven“, so Barschdorf-Hager.
Zehn humanitäre Krisen, die 2022 keine Schlagzeilen machten:
Angola – 3,8 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen
Malawi – 37 Prozent der Kinder sind mangelernährt
Zentralafrikanische Republik – 3,1 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
Sambia – 50 Prozent der Menschen leben von 1,80 Euro pro Tag
Tschad – Zweithöchste Müttersterblichkeitsrate der Welt
Burundi – 50 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind chronisch unterernährt
Simbabwe – 7 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
Mali – Achthöchste Kindersterblichkeitsrate der Welt
Kamerun – 3,9 Millionen Menschen in Not
Niger – 4,4 Millionen Menschen sind akut von Ernährungsunsicherheit betroffen
Fotomaterial zu den zehn vergessenen Krisen (Fotocredit: CARE)
„Wir sehen es als unseren Auftrag, auch die stillen Krisen zu zeigen und über jene Menschen zu berichten, die wenig Aufmerksamkeit erhalten. Denn wir können und wollen nicht schweigen, wenn Leben in Gefahr sind.“
Hinweis zur Methodik: Der internationale Medienbeobachtungsdienst Meltwater hat für CARE mehr als 5,8 Millionen Online-Artikel in den Sprachen Arabisch, Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch im Zeitraum von 1. Jänner bis 10. Oktober 2022 untersucht. Aus einer Liste von 47 humanitären Krisen wurden jene zehn Krisen mit der geringsten medialen Präsenz ermittelt. Der Report erscheint heuer zum siebten Mal.
Über CARE: CARE wurde 1945 gegründet und ist heute eine der weltweit größten Hilfsorganisationen, die in über 100 Ländern tätig ist. Die Hilfe von CARE hat 2022 mehr als 170 Millionen Menschen erreicht. Weitere Informationen unter www.care.at